Infrarotheizung & Elektrifizierung: Ein klares Signal vom 6. Runden Tisch der IG Infrarot

Zwei Tage IG Infrarot in Wuerzburg – und ein klares Signal fuer die Zukunft der Gebaeudewaerme
Der 6. Runde Tisch der Infrarotheizungsbranche und die anschliessende Konferenz "Infrarotheizung: Schluessel zum bezahlbaren Bauen und Wohnen" der IG Infrarot in Wuerzburg haben eines deutlich gezeigt: Die Branche ist erwachsen geworden. Die Diskussionen waren loesungsorientiert, die Praxisbeispiele ueberzeugend – und die regulatorischen Rahmenbedingungen bewegen sich in die richtige Richtung.
Die Infrarotheizung hat ihren Platz im Energiesystem gefunden – und zwar einen zentralen.
Elektrifizierung als gemeinsamer Nenner
Wenn man die Vortraege, Studien und Praxisbeispiele der Konferenz zusammenfuehrt, ergibt sich ein klares Bild: Gebaeude, Mobilitaet und Industrie werden elektrisch. Die Elektrifizierung ist der zentrale Hebel auf dem Weg zur Klimaneutralitaet 2045. Die Frage ist nicht mehr "ob", sondern "wie intelligent".
Wie Lars Keussen, erster Vorsitzender der IG Infrarot Deutschland e.V., treffend zusammenfasste: Die Branche ist selbstbewusster und loesungsorientierter geworden. Immer mehr Immobilienprojekte – grosse wie kleine – kommen in Bewegung. Es entsteht eine Dynamik, die Mut macht.
Besonders erfreulich: Die Senkung des Primaerenergiefaktors fuer Strom von fp=1,8 auf fp=1,3 – getrieben durch den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien im Strommix – verbessert die regulatorische Bewertung elektrischer Heizsysteme erheblich. Wer mit den neuen Zahlen rechnet, erkennt das Potenzial sofort.

Dr.-Ing. Bert Oschatz (ITG): Der Primaerenergiefaktor fuer Strom sinkt von fp=1,8 auf fp=1,3 – getrieben durch den steigenden Anteil erneuerbarer Energien – ein entscheidender Hebel fuer die Bewertung elektrischer Heizsysteme.
Neubau: 100% Infrarot als wirtschaftlichste Loesung
Eine der staerksten Erkenntnisse der Konferenz: Im Neubau – insbesondere im Wohnungsbau – ist die reine Infrarotheizung in vielen Faellen die wirtschaftlichste Loesung. Die Gruende liegen auf der Hand:
Kein Heizraum, keine Rohrleitungen, keine Pumpen, kein Schornstein. Die Kostengruppe 400 (Technische Gebaeudeausruestung) macht rund 30% der Baukosten aus. Infrarot reduziert diese Komplexitaet radikal – und damit die Investitionskosten.
Das belegen inzwischen mehrere Praxisprojekte ueberzeugend:
| Projekt | Typ | Ergebnis |
|---|---|---|
| K76 Darmstadt (2017) | MFH, 14 Parteien, 100% IR + 30 kWp PV | Mehrere Jahre: 0 EUR Wartung, hohe Mieterzufriedenheit |
| Fraunhofer IBP Studie (2024) | Zwillingshaeuser-Vergleich IR vs. Gas | 32% weniger Endenergie mit Infrarot |
| Niesky/Goerlitz (2024) | Erstes MFH Sachsens mit 100% IR | Pionierprojekt im Wohnungsbau |
| Aschersleben | DDR-Plattenbau, Sanierung zu energieautark | PV + IR als Gesamtkonzept |
Architekt Thomas Lueckgen, der das K76 in Darmstadt selbst bewohnt, bringt es auf den Punkt:
"Unter Kostenaspekten ist das eigentlich fuer jeden Neubau hoch attraktiv. Wir haben jetzt mehrere Jahre Erfahrung – es ist nichts kaputtgegangen und keine Wartungskosten angefallen."
Gerade im Wohnungsbau ueberzeugt das Konzept: Jeder Mieter regelt individuell, die Abrechnung ist einfach, und in Kombination mit einer PV-Anlage auf dem Dach steigt der Eigenverbrauchsanteil erheblich.
Der unterschaetzte OPEX-Vorteil: Betriebskosten, die komplett entfallen
Was in vielen Wirtschaftlichkeitsvergleichen zu kurz kommt: Die laufenden Betriebskosten (OPEX) einer Infrarotheizung liegen nahe null. Keine beweglichen Teile, keine Hydraulik, kein Verschleiss – und damit auch keine jaehrlichen Wartungsvertraege, keine Schornsteinfegerkosten, keine Emissionsmessungen.
Bei konventionellen Heizsystemen summieren sich diese Positionen schnell:
| Kostenposition | Gas-/Oelheizung | Infrarotheizung |
|---|---|---|
| Heizungswartung (Fachbetrieb) | 100–200 EUR/Jahr | 0 EUR |
| Schornsteinfeger & Abgasmessung | 60–120 EUR/Jahr | 0 EUR |
| Messdienstleister & Heizkostenabrechnung | 100–200 EUR/WE/Jahr | 0 EUR |
| Reparaturruecklagen | 100–300 EUR/Jahr | ~0 EUR |
| Summe pro Wohneinheit | 360–820 EUR/Jahr | ~0 EUR |
Besonders relevant fuer Vermieter: Bei dezentraler Infrarotheizung zahlt jeder Mieter seinen Strom direkt an den Energieversorger. Die gesamte Heizkostenabrechnung nach Heizkostenverordnung (HeizkostenV) entfaellt. Keine Geraetemiete fuer Heizkostenverteiler, keine Ablesegebuehren, keine Abrechnungserstellung durch Messdienstleister wie ista, Techem oder Brunata – Kosten, die bei zentralen Heizsystemen typischerweise 100 bis 200 EUR pro Wohneinheit und Jahr betragen.
Ueber einen Betrachtungszeitraum von 20 Jahren bedeutet das bei einem Mehrfamilienhaus mit 14 Wohneinheiten eine OPEX-Ersparnis von 100.000 bis 230.000 EUR – Geld, das direkt die TCO verbessert und den ROI beschleunigt.
Bestand: Das intelligente Zusammenspiel von Infrarot und Waermepumpe
Im Gebaeudebestand sieht die optimale Loesung haeufig anders aus. Hier ist die Daemmqualitaet oft geringer, der Heizwaermebedarf hoeher – und genau hier entfaltet der Hybridansatz seine volle Staerke:
| Komponente | Funktion | Anteil |
|---|---|---|
| Waermepumpe (klein dimensioniert) | Grundlast | ca. 30% |
| Infrarotheizung | Komfort & Spitzenlast | ca. 70% |
Das Ergebnis: Geringere Investitionen als bei einer gross dimensionierten Waermepumpe, bessere Regelbarkeit und deutlich hoehere Flexibilitaet. Die Waermepumpe uebernimmt die Grundlast effizient, die Infrarotheizung liefert schnelle Waerme genau dort, wo sie gebraucht wird.
Dieses Zusammenspiel ist kein Kompromiss – es ist die wirtschaftlich und technisch ueberlegene Loesung fuer viele Bestandsgebaeude.

Podiumsdiskussion mit Thomas Gerl (BFW), Kerstin Stratmann (ZVEI), Heiko Schwarzburger (photovoltaik), Rene Ebert (VdZ), Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz (ITG) und Christoph Weiland (IG Infrarot). Moderation: Lars Keussen.
Warum Infrarot im System so stark ist
Wie Heiko Schwarzburger in seinem Vortrag zur IR-Technik aufzeigte, liegen die systemischen Vorteile klar auf der Hand:
- Einfach wie Licht – keine beweglichen Teile, keine Hydraulik, keine Wartung
- Kostensenkung durch Massenproduktion realisierbar
- Schnelle Regelung durch Home Energy Management Systeme (HEMS) senkt Waermeverluste
- Minimale Risiken bezueglich Brandschutz, Verschleiss und Ausfall
- Skalierbar vom Einzelraum bis zum Quartier
Ein typisches Zukunfts-Setup fuer Gebaeude:
| Baustein | Funktion |
|---|---|
| Photovoltaik (Dach + Fassade) | Stromerzeugung |
| Batteriespeicher | Lastverschiebung & Eigenverbrauch |
| Elektrische Waerme (IR bzw. IR + WP) | Heizung ohne fossile Brennstoffe |
| Intelligente Steuerung (HEMS) | Optimierung in Echtzeit |
| Dynamische Tarife | Wirtschaftliche Flexibilitaet |
Auch regulatorisch oeffnet sich vieles: Die Technologieoffenheit wird staerker, das Gebaeudeenergiegesetz (GEG) entwickelt sich weiter, und die EU agiert grundsaetzlich technologieneutral. Der Markt gewinnt wieder an Bedeutung.
Praxis schlaegt Theorie – auch bei uns
Die spannendsten Beispiele in Wuerzburg waren reale Projekte:
- Sanierungen mit 600 Euro Heizkosten pro Jahr
- Quartiere mit massiv geringeren Investitionen gegenueber konventionellen Loesungen
- All-Electric-Konzepte mit stabilen Nebenkosten ueber Jahre
In unserem eigenen Innovation HUB in Frickenhausen leben wir diesen Ansatz seit ueber 13 Jahren – mit 62% geringeren Energiekosten und 0 Euro Wartungskosten fuer die Heizung. Auf 920 m2 Gewerbeflaeche mit Infrarotheizung, 70 kWp PV-Anlage und bald einem 250+ kWh Speicher fuer netzdienlichen Betrieb.
Mein Fazit
Diese zwei Tage haben meine Ueberzeugung weiter gestaerkt: Die Zukunft gehoert dem intelligenten Zusammenspiel – und die Infrarotheizung spielt darin eine zentrale Rolle.
Im Neubau oft als 100%-Loesung. Im Bestand als starker Partner der Waermepumpe. Und immer eingebettet in ein Gesamtsystem aus PV, Speicher und intelligenter Steuerung.
Entscheidend ist, dass wir unternehmerische Entscheidungen auf Basis von Return on Investment (ROI) und Total Cost of Ownership (TCO) treffen – nicht primaer foerdermittelgetrieben, sondern wirtschaftlich fundiert.

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