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REVOLUTION E13. Oktober 2026

Wer Energieabhängigkeit ignoriert, riskiert Marge und Handlungsfähigkeit.

Frank Hummel im persönlichen unternehmerischen Gespräch am Tisch.

Warum Strom aus Gas teuer werden kann – und weshalb eine eigene Energiestrategie für Unternehmen hohe Priorität haben muss.

Frank Hummel · REVOLUTION E · 13. Oktober 2026

Wir sichern unsere IT. Wir prüfen Lieferanten. Wir diskutieren Finanzierung, Personal und Produktionsrisiken. Genau diese Aufmerksamkeit braucht auch unsere Energieversorgung.

Denn wenn Energiepreise springen, trifft das die Kalkulation. Wenn die Versorgung ausfällt, trifft es den Betrieb. Und wenn beides erst auf der nächsten Rechnung oder im nächsten Störfall sichtbar wird, fehlen Handlungsmöglichkeiten.

Für mich gehört Energie auf die Prioritätenliste der Geschäftsführung. Wer hier nur den nächsten Liefervertrag verhandelt, lässt einen Teil seines Unternehmensrisikos ungeklärt.

Trump provoziert. Die unternehmerische Frage bleibt.

Donald Trump nutzt die deutsche Energiewende regelmäßig als politisches Angriffsziel. Aktuell berichtet FOCUS über seine Behauptung, Deutschland sei durch grüne Energie beinahe an den Rand der „Auslöschung“ geraten. Eine belastbare Grundlage für dieses Untergangsszenario liefert der Bericht nicht. 1

Bereits 2018 warnte Trump vor Deutschlands Abhängigkeit von russischer Energie. In seiner damaligen UN-Rede sprach er ausdrücklich über die Verwundbarkeit durch einen einzelnen ausländischen Lieferanten. Diese Warnung lässt sich von seinen pauschalen Angriffen auf erneuerbare Energien unterscheiden. 2

Für meine Arbeit mit Unternehmern ist die entscheidende Frage: Wie viel Einfluss haben wir selbst auf unsere Energiekosten und die Funktionsfähigkeit unseres Standorts?

Deutschland importierte 2025 nach vorläufigen Angaben der Bundesnetzagentur rund 1.031 TWh Gas; die inländische Förderung lag bei 34 TWh. Ein Teil der importierten Mengen wurde wieder exportiert. Die Größenordnung zeigt trotzdem, wie begrenzt die heimische Gasförderung ist. 3

Mehr Lieferwege können Risiken verteilen. Die Bindung an internationale Brennstoffmärkte bleibt. Und sie kann Unternehmen auch über den Strompreis erreichen.

Auch Ihr Strompreis kann am Gas hängen.

Gas betrifft ebenso Betriebe, die selbst kaum Gas verbrauchen. Sobald Gaskraftwerke zur Stromversorgung benötigt werden und den Marktpreis bestimmen, können deren Brennstoff- und CO₂-Kosten auf den Börsenstrompreis durchschlagen.

Dahinter steht die Grenzkostenpreisbildung am europäischen Strommarkt: Der zur Deckung der Nachfrage zuletzt benötigte Anbieter prägt den Preis der jeweiligen Handelsperiode. Gaskraftwerke können diese Rolle übernehmen. Auch andere Kraftwerke, Nachfrage, Speicher und der grenzüberschreitende Handel beeinflussen die Marktsituation. Ein hoher Preis allein beweist deshalb noch keinen preisbestimmenden Einsatz von Gas. 4

Ein günstiges Solarmittagsfenster und ein teurer Abend können im selben Stromsystem nebeneinander bestehen. Genau das macht Flexibilität wirtschaftlich interessant.

17,34 Cent – bevor die Kilowattstunde beim Unternehmen ankommt.

Was kostet Strom aus Erdgas tatsächlich? Eine Modellrechnung macht den variablen Kostenblock sichtbar.

Der September-Marktbericht von Deutsche Energien Partner nennt einen durchschnittlichen TTF-Frontmonatspreis von 75,44 €/MWh und einen CO₂-Zertifikatspreis von 85,09 €/t zum 30. September 2026. 5

Für das Modell setzen wir einen elektrischen Nettowirkungsgrad von 55 Prozent an. Hinzu kommen ein angenommener Emissionsfaktor von 0,202 t CO₂ je MWh Erdgas und variable Betriebskosten von 5 €/MWh erzeugtem Strom.

Allein der Brennstoff kostet damit rund 13,72 ct je erzeugter elektrischer kWh. CO₂-Zertifikate schlagen mit rund 3,13 ct/kWh zu Buche, variable Betriebskosten mit 0,50 ct/kWh.

In Summe entstehen rund 17,34 ct/kWh variable Stromerzeugungskosten.
Berechnung aus ungerundeten Werten: [(75,44 + 85,09 × 0,202) ÷ 0,55 + 5] ÷ 10 = 17,34 ct/kWh. Die einzeln gerundeten Positionen können davon um einen Centbruchteil abweichen.

Kraftwerksinvestition, Finanzierung und fixe Betriebskosten sind darin noch nicht enthalten. Zusätzliche Start- und Teillastkosten ebenfalls nicht. Bis zum Kunden kommen außerdem die jeweiligen Beschaffungs-, Netz- und Abrechnungskomponenten hinzu.

17,34 Cent sind also ein modellierter variabler Erzeugungskostenwert. Der Strompreis auf Ihrer Rechnung ist eine andere Größe.

Bei 45 Prozent Nettowirkungsgrad steigt derselbe Modellwert auf 21,08 ct/kWh. Bei 60 Prozent sinkt er auf 15,94 ct/kWh. Die tatsächlichen Kraftwerkskosten hängen vom Anlagenzustand und der konkreten Brennstoffbeschaffung ab. Das Modell kombiniert einen Gas-Monatsdurchschnitt mit einem CO₂-Stichtagswert; es illustriert Kosten und bildet keine einzelne Kraftwerksabrechnung ab.

Der Zeitpunkt entscheidet mit über die Kosten.

Im September 2026 lag der Day-Ahead-Börsenpreis zwischen 13 und 14 Uhr im Monatsmittel bei 4,18 ct/kWh. Zwischen 19 und 20 Uhr waren es 25,95 ct/kWh – rund das 6,2-Fache. Diese Werte stammen aus der veröffentlichten DEP-Auswertung von SMARD-Daten für Deutschland-Luxemburg. 5

Diese Werte zeigen ausschließlich den reinen Börsenstrompreis: den Spotpreis im Day-Ahead-Markt.
Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen sind darin nicht enthalten. Je nach Liefervertrag kommen außerdem Beschaffungs-, Abwicklungs- und Vertriebskosten hinzu. Für Unternehmen ist deshalb der tatsächlich abgerechnete Gesamtpreis entscheidend. Umsatzsteuer und andere erstattungsfähige Bestandteile sind bei einem Nettovergleich gesondert zu behandeln.
REVOLUTION E: Im September 2026 lag der Day-Ahead-Börsenpreis zwischen 13 und 14 Uhr im Monatsmittel bei 4,18 ct/kWh, zwischen 19 und 20 Uhr bei 25,95 ct/kWh. Das Gasstrommodell zeigt variable Erzeugungskosten von 21,08 ct/kWh bei 45 Prozent, 17,34 bei 55 Prozent und 15,94 bei 60 Prozent Nettowirkungsgrad. Börsenpreise und Modellkosten sind keine Kundenstrompreise.Grafik vergrößern

Links: ausschließlich Spot-/Day-Ahead-Börsenpreise ohne zusätzliche Liefer- und Preisbestandteile. Rechts: modellierte variable Gasstrom-Erzeugungskosten. Die Grafik zeigt September 2026, keine Kunden-Endpreise und keine Einsparprognose.

Für einen Betrieb ist das ein Anlass, den eigenen Lastgang zu kennen. Welche Verbraucher laufen in teuren Zeitfenstern? Was lässt sich verschieben? Welche Energie kann die eigene PV liefern? Welche Leistung braucht der Standort gleichzeitig?

Ein Festpreisvertrag kann kurzfristige Schwankungen abfedern. Ein dynamischer Vertrag kann günstige Zeitfenster zugänglich machen, öffnet aber auch die Tür zu hohen Preisen. Der Nutzen entsteht erst aus dem Zusammenspiel von Vertrag, Steuerung und tatsächlicher betrieblicher Flexibilität.

Der Börsenpreis ist erst ein Teil der Stromrechnung.

Die zusätzlichen Preisbestandteile erhöhen die Belastung am Standort. Deshalb lohnt sich für die Geschäftsführung der Blick auf die ganze Rechnung: Energiebeschaffung, Netzentgelte und Leistungspreise, Messung und Abrechnung sowie die jeweils anfallenden Steuern, Abgaben und Umlagen. Entlastungen und Sonderregelungen müssen ebenso berücksichtigt werden.

Im europäischen Vergleich gehört Deutschland bei mittelgroßen gewerblichen Stromverbrauchern zu den teuren Standorten. Eurostat weist für das zweite Halbjahr 2025 bei einem Jahresverbrauch von 500 bis 2.000 MWh einen durchschnittlichen Strompreis von 22,64 ct/kWh in Deutschland aus. Der EU-Durchschnitt lag bei 18,37 ct/kWh. Höhere Werte meldeten in dieser Vergleichsgruppe nur Irland und Zypern. 9

Diese Werte enthalten Energie, Versorgung und Netzkosten sowie nicht erstattungsfähige Steuern und Abgaben. Umsatzsteuer und andere erstattungsfähige Bestandteile sind ausgeschlossen. Es sind durchschnittliche Kundenpreise einer definierten Verbrauchsgruppe, keine Börsenpreise. Sie beziehen sich auf das zweite Halbjahr 2025 und dürfen nicht direkt mit den September-2026-Spotwerten verrechnet werden. 10

Aus dem Ländervergleich allein lässt sich nicht ableiten, welcher einzelne Preisbestandteil den Abstand verursacht. Er zeigt jedoch: Für unsere Wettbewerbsfähigkeit zählt die gesamte Stromrechnung.

Für eine Investition ist ebenso wichtig, welche Bestandteile tatsächlich vermeidbar sind. Eine eingesparte Kilowattstunde Netzbezug senkt nicht automatisch alle fixen Kosten. Und Lastverschiebung kann den Energiepreis reduzieren, während eine neue Leistungsspitze den Vorteil wieder schmälert.

Sicherheit beginnt mit einer ehrlichen Risikorechnung.

Ein Betrieb mit einer Million kWh Jahresverbrauch muss für jede zusätzliche 10 ct/kWh im tatsächlichen Bezugspreis 100.000 Euro pro Jahr aufbringen. Das ist eine einfache Sensitivitätsrechnung, keine Preisprognose. Sie zeigt, wie schnell Energie zur Margenfrage wird.

Die zweite Rechnung betrifft Ausfälle: Welche Steuerungen, Kühlungen oder Prozesse müssen weiterlaufen? Was kostet eine Stunde Stillstand? Welche Schäden entstehen, bevor die Produktion wieder startet?

Dabei braucht es einen klaren technischen Blick: PV und Batterie bedeuten nicht automatisch Versorgung bei Netzausfall. Dafür sind ein geeignetes Ersatzstrom- oder Inselkonzept, sichere Netztrennung, passende Leistung und eine definierte Überbrückungszeit erforderlich. Unterbrechungskritische Verbraucher können zusätzlich eine USV benötigen. Die Auslegung gehört in die Fachplanung. 6

Die aktuelle Bundesnetzagentur-Bewertung beschreibt Deutschlands Gasversorgung als stabil und schätzt das Risiko einer angespannten Versorgung als gering ein. Daraus lässt sich kein akutes Blackoutszenario ableiten. 7

Unternehmerische Vorsorge bleibt trotzdem sinnvoll. Kostenrisiko, Ausfallrisiko und technische Absicherung müssen jeweils für den Standort bewertet werden.

Wie REVOLUTION E gegensteuert.

Mit REVOLUTION E betrachten wir Strom, Wärme, Mobilität und Prozesse gemeinsam. Entscheidend ist, wie der Standort wirtschaftlicher und steuerbarer werden kann. 8

Am Anfang stehen reale Verbrauchsdaten, Verträge und Lastgänge. Daraus werden sinnvolle Optionen: eigene PV-Erzeugung, bedarfsgerechte elektrische Wärme, gesteuertes Laden, verschiebbare Verbraucher und ein Speicher, wenn dessen Nutzen die vollständigen Kosten trägt.

Ein Energiemanagement verbindet diese Bausteine. Es muss betriebliche Grenzen beachten, Lastspitzen begrenzen und Energie dann einsetzen, wenn sie gebraucht wird und wirtschaftlich verfügbar ist. Für die Betriebsfähigkeit kommen je nach Bedarf Ersatzstromkonzept, Wartung, sichere Zugänge und die Funktionsfähigkeit der Steuerung hinzu.

Die Investitionsentscheidung braucht einen belastbaren Business Case. Dazu gehören Investition, Betrieb, Wartung, Ersatz und Finanzierung. Wir betrachten die Rendite und die Wirkung auf Liquidität und Risiko. Bei finanzierten Vorhaben muss auch der Schuldendienst tragfähig sein. Fördermittel können unterstützen; die wirtschaftliche Logik muss eigenständig überzeugen.

REVOLUTION E orchestriert die Systementwicklung sowie Planung und Umsetzung mit geeigneten Fachpartnern. Die jeweilige Fachplanung, Installation und Betriebsleistung übernehmen die dafür beauftragten Spezialisten. 8

Mehr Kontrolle ist ein realistisches Ziel.

Eine eigene PV-Anlage reduziert für die genutzte Solarenergie den laufenden Brennstoffbezug. Speicher und Flexibilität können zusätzliche Handlungsmöglichkeiten schaffen. Winterbedarf, Netzanschluss, internationale Komponentenlieferketten und verbleibender Netzbezug gehören weiterhin in die Rechnung.

Ein Standort kann Schritt für Schritt robuster werden. Eine sinnvolle erste Maßnahme reicht häufig, um Erfahrungen zu sammeln und die nächste Entscheidung besser vorzubereiten.

Mein Anspruch ist klar: Wir sollten die Abhängigkeiten unseres Unternehmens kennen – und dort reduzieren, wo es technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Welche Energieentscheidung steht bei Ihnen an?

Der All-Electric QuickCheck unter REVOLUTION E bietet einen ersten Einstieg. Für eine konkrete Investitionsentscheidung folgt die Standortanalyse mit realen Daten und einem finanzierungsorientierten Business Case.

Mehr über REVOLUTION E und mit Frank Hummel sprechen

Frank Hummel ist Unternehmer und unternehmerischer Sparringspartner mit über 30 Jahren Erfahrung in Unternehmensaufbau, Führung und Energie- und Gebäudetechnik.

Quellen und Datenhinweise

Die Septemberwerte wurden anhand des veröffentlichten DEP-Marktberichts nachvollzogen. Eine eigene Neuberechnung der SMARD-Viertelstunden-Rohdaten wurde für diesen Beitrag nicht vorgenommen. Seit Oktober 2025 arbeitet der Day-Ahead-Markt mit Viertelstunden; die gezeigten Uhrzeiten bezeichnen aggregierte Stundenfenster. 4 5

Die Gasstromrechnung ist ein transparentes Modell mit den genannten Annahmen. Sie enthält keine pauschale Aussage zu sämtlichen Gaskraftwerken, keine Jahreskostenprognose und kein Einsparversprechen.

  1. 1.FOCUS: Trumps Obsession mit der deutschen Energiewende; aktueller Oktober-2026-Bericht
  2. 2.White-House-Archiv: Trump vor der UN-Generalversammlung, 25. September 2018
  3. 3.Bundesnetzagentur: Jahreszahlen zur Gasversorgung 2025, 12. Januar 2026
  4. 4.Europäische Kommission: Strommarktdesign, Grenzkostenpreisbildung und Viertelstundenhandel
  5. 5.Deutsche Energien Partner: Marktbericht September 2026, veröffentlicht am 5. Oktober 2026
  6. 6.IHK Bodensee-Oberschwaben: PV-Anlage als Notstromversorgung nutzen
  7. 7.Bundesnetzagentur: Aktuelle Lage der Gasversorgung, abgerufen am 13. Oktober 2026
  8. 8.HSG: REVOLUTION E – wirtschaftliche All-Electric-Systembetrachtung und Orchestrierung
  9. 9.Eurostat: Nicht-Haushaltsstrompreise im zweiten Halbjahr 2025, 8. Mai 2026
  10. 10.Eurostat: Electricity price statistics – Verbrauchsgruppe, Preisbestandteile und Steuerbasis

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