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SPARRING17. September 2026

Einfacher bauen. Wirtschaftlicher entscheiden.

Einfacher bauen. Wirtschaftlicher entscheiden.

Zwei Tage NFG Zukunftsgipfel in Berlin. Knapp 500 Teilnehmer aus Bau- und Immobilienwirtschaft, Industrie, Start-up-Szene und Politik. Viele neue Ideen – und erstaunlich viele vertraute Probleme.1

Ich habe Vitramo dort in meiner Rolle als Beirat begleitet. Ein Gespräch am Stand hat für mich sehr gut zusammengefasst, worum es vielen Unternehmern und Immobilienentwicklern inzwischen geht. Ein Besucher sagte sinngemäß:

„Das Thema Infrarotheizung wird für uns immer interessanter. Wir wollen jetzt ein Projekt in diese Richtung starten. Die Technik, die wir derzeit einsetzen, ist zu träge, zu teuer und zu komplex. Aber wir brauchen eine ganzheitliche Lösung – nicht nur eine andere Heizung. Wer kann uns das anbieten?“

Das ist eine starke Frage. Denn sie zielt nicht auf ein weiteres Gerät. Sie zielt auf ein funktionierendes Gesamtsystem.

Genau diese Frage gehört aus meiner Sicht auf die Agenda von Geschäftsführung, CFO, Projektentwicklern und Eigentümern. Gebäude sind keine Ansammlung technischer Einzelgewerke. Sie sind langfristige unternehmerische Systeme.

NFG hat den Anspruch des Gipfels treffend formuliert: „Vom Problem zur Lösung. Vom Einzelkämpfer zur Teamarbeit.“1 Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob Innovation eine interessante Präsentation bleibt oder in realen Projekten Wirkung entfaltet.

Reduktion ist kein Verzicht

Ein Punkt hat sich in Berlin für mich bestätigt: Reduktion darf nicht mit Qualitätsverlust verwechselt werden. Der offizielle Titel der Keynote von Gerd Priebe lautete „Reduktion als Prinzip: Ein Mindset für wirtschaftliches, ressourcenschonendes und zukunftsfähiges Bauen“.2

Reduktion bedeutet für mich, alles infrage zu stellen, was Kosten und Schnittstellen erzeugt, aber keinen nachweisbaren Nutzen bringt. Das können überdimensionierte Anlagen sein. Es können doppelte Regelungsebenen, unnötige Verteilnetze oder Funktionen sein, die nach der Inbetriebnahme kaum jemand benötigt.

Das Ziel ist kein Gebäude auf Kante. Sicherheit, Gesundheit, Brandschutz, Standsicherheit, Luftqualität und eine robuste Elektroinfrastruktur sind nicht verhandelbar. Aber zwischen notwendiger Qualität und gewohnter Komplexität liegt häufig ein erheblicher Unterschied.

Einfachheit entsteht nicht durch Weglassen. Einfachheit entsteht durch Klarheit.

Dazu passt der Gebäudetyp E. Er ist kein Energiestandard und keine Festlegung auf eine bestimmte Technik. Er ist ein Planungsansatz, mit dem Bauherren und Planungsteams bewusster über Bedarf, Funktion, Risiko und Verantwortung entscheiden können. Diese Freiheit funktioniert allerdings nur, wenn Entscheidungen fachlich begründet, transparent erklärt und sauber vereinbart werden.

Warum die Infrarotheizung interessanter wird – aber nicht allein entscheidet

Dass sich Unternehmer wieder ernsthaft mit Infrarotheizung beschäftigen, überrascht mich nicht. In Gebäuden mit sehr geringem Wärmebedarf kann eine direkte elektrische Lösung Investition, Verteilung, Technikflächen, Regelung und Wartung deutlich vereinfachen.

Das ist aber kein Freibrief und keine pauschale Empfehlung. Eine Infrarotheizung kann nur dann Teil einer guten Lösung sein, wenn Gebäudehülle, Verschattung, Luftqualität, Warmwasser, Nutzungsprofil, tatsächliche Heizlast und elektrische Infrastruktur zusammenpassen.

Deshalb halte ich es für falsch, den Vergleich bei der Heizung zu beginnen und dort wieder zu beenden. Die richtige Frage lautet nicht: Welche Heizung ist theoretisch am effizientesten? Die richtige Frage lautet: Welches Gesamtsystem erfüllt die Aufgabe über 20 bis 30 Jahre zuverlässig und wirtschaftlich?

In einer von mir erarbeiteten Modellrechnung betrachte ich ein Gebäude mit 150 Quadratmetern, vier Personen und einem Heizwärmebedarf von 18 kWh/(m²·a). Bei einem solchen niedrigen Bedarf ist die Raumwärme nur noch ein Teil des elektrischen Gesamtsystems. Warmwasser, Haushalts- und Allgemeinstrom sowie Mobilität müssen ebenso berücksichtigt werden.

Die detaillierte Studie ist diesem Beitrag nicht beigefügt. Deshalb verzichte ich hier bewusst auf eine vollständige Ergebnisdarstellung oder allgemeine Renditeversprechen. Entscheidend ist die Logik dahinter: Es greift zu kurz, die gesamte Gebäudestrategie an der maximalen Effizienz eines einzelnen Wärmeerzeugers auszurichten.

Nicht die einzelne Heizung optimieren. Das gesamte Gebäude wirtschaftlich organisieren.

CAPEX und OPEX gehören in dieselbe Entscheidung

Im Projektgeschäft wird häufig zuerst über die Investition gesprochen. Später folgen Energieverbrauch, Wartung, Ersatzteile, Technikflächen, Serviceverträge und Modernisierung. Unternehmerisch gehört das zusammen.

Ein System mit niedrigerem Energieverbrauch ist nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung. Wenn dafür deutlich mehr Anfangskapital, zusätzliche Verteilung, mehr Komponenten und höhere Ersatzkosten notwendig sind, muss der Effizienzvorteil diese Mehrbelastung über den Lebenszyklus erst verdienen.

Umgekehrt ist die günstigste Anfangsinvestition nicht automatisch richtig. Eine schlecht geplante, nicht nachrüstbare oder schwer beherrschbare Lösung kann später erheblich teurer werden.

Deshalb braucht die Entscheidung mindestens fünf Perspektiven:

EntscheidungsfeldC-Level-Frage
CAPEXWie viel Kapital wird zu Beginn gebunden – und welche Funktionen werden damit tatsächlich gekauft?
OPEXWelche Energie-, Wartungs-, Service- und Betriebskosten entstehen realistisch?
ErsatzWelche Komponenten müssen in 10, 15 oder 20 Jahren voraussichtlich ersetzt werden?
RisikoWelche Abhängigkeiten entstehen durch Hersteller, Cloud, Hydraulik, Spezialwissen oder einzelne Schnittstellen?
AnpassbarkeitKann das Gebäude später mit vertretbarem Aufwand auf neue Nutzung, Mobilität und Energietarife reagieren?

Eine belastbare Entscheidung entsteht nicht durch einen Gerätevergleich. Sie entsteht durch eine Cashflow-Betrachtung über den Lebenszyklus.

Der Business Case entsteht im Verbund

In meiner Modellrechnung werden verschiedene elektrische Versorgungskonzepte über 25 Jahre betrachtet. Raumwärme, Warmwasser, Haushaltsstrom, Photovoltaik, Speicher und E-Mobilität werden gemeinsam bilanziert. Neben dem Energiebedarf fließen Investition, Wartung, Ersatz, Kapitalkosten und die Anforderungen an den Netzanschluss ein.

Genau hier muss auch ein Batteriespeicher eingeordnet werden. Seine Wirtschaftlichkeit lässt sich nicht seriös allein aus dem zusätzlichen Eigenverbrauch eines Haushalts ableiten. Im Verbund mit Photovoltaik, Ladeinfrastruktur, zeitvariablen Strompreisen, Lastspitzenbegrenzung und einem intelligenten Energiemanagement kann ein Speicher mehrere Funktionen gleichzeitig übernehmen.

Wenn dadurch mehr eigener Strom vor Ort genutzt, Ladeleistung zeitlich verschoben, Lastspitzen reduziert oder ein teurer Ausbau des Netzanschlusses vermieden wird, kann der Speicher den IRR und den Kapitalwert des Gesamtsystems verbessern. In einer anderen Nutzungssituation kann das Ergebnis anders ausfallen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Welche Rendite hat der Speicher isoliert? Entscheidend ist: Welchen zusätzlichen wirtschaftlichen Beitrag leistet er im gekoppelten System aus Erzeugung, Gebäude, Mobilität und Netz?

Für eine konkrete Investitionsentscheidung müssen reale Angebote, Lastprofile, Erzeugungsdaten, Ladeprofile, Leistungspreise, Ersatzzyklen, Finanzierung und mögliche Netzausbaukosten zusammengeführt werden. Ein Modell schafft Klarheit. Das Projekt entscheidet.

Weniger Komplexität braucht mehr Verantwortung

Auch der Impuls von Werner Sobek ist für mich relevant, weil er den Blick vom einzelnen Produkt auf Material, Energie, Emissionen und den gesamten Lebenszyklus lenkt. Sobek fordert, für mehr Menschen mit weniger Material emissionsfrei zu bauen.3

Ich übernehme daraus keine fertige technische Lösung. Meine unternehmerische Schlussfolgerung lautet:

So wenig Komplexität wie möglich. So viel robuste Infrastruktur wie nötig.

Mein Ansatz ist All-Electric. Nicht als starres Produktpaket und nicht als Forderung nach möglichst viel Technik. All-Electric bedeutet für mich: Strom, Wärme, Warmwasser, Mobilität und Steuerung von Anfang an zusammen planen. Die elektrische Infrastruktur muss robust und nachrüstbar sein. Erzeugung und flexible Verbraucher müssen sinnvoll aufeinander abgestimmt werden. Grundfunktionen müssen auch dann funktionieren, wenn App, Cloud oder ein zentraler Rechner ausfallen.

Technikreduktion darf Gesundheit, Sicherheit, Komfort und Rechtssicherheit nie relativieren. Low-Tech ist kein Selbstzweck. Die richtige Technik ist diejenige, die eine notwendige Funktion zuverlässig und wirtschaftlich erfüllt.

Das verlangt mehr unternehmerische Verantwortung. Bauherr, Planung und Ausführung müssen offenlegen, warum eine Komponente notwendig ist, welchen Wert sie schafft und wer ihre Funktion über den Lebenszyklus verantwortet.

Die eigentliche Frage lautet: Wer liefert das Gesamtsystem?

Nach zwei Tagen in Berlin hat sich meine Position bestätigt: Wir brauchen keine neue Produktliste, sondern eine klare Entscheidungslogik und jemanden, der Verantwortung für das Gesamtsystem übernimmt.

Wir sollten nicht fragen, wie viel Technik sich in einem Gebäude unterbringen lässt. Wir sollten fragen, welches Gebäude wir für Nutzung, Kapital und Betrieb wirklich brauchen.

Wir sollten nicht den höchsten theoretischen Effizienzwert suchen. Wir sollten das System wählen, das unter realistischen Annahmen wirtschaftlich trägt.

Und wir sollten nicht auf die perfekte Regulierung oder das nächste Förderprogramm warten. Wir brauchen Projekte, in denen Verantwortung übernommen, Annahmen transparent gemacht und Entscheidungen konsequent umgesetzt werden.

Weniger Technik kann mehr Wert schaffen. Aber nur, wenn vorher mehr gedacht, gerechnet und entschieden wird.

Genau dort setzt mein unternehmerisches Sparring an. Ich bringe Bedarf, Technik und wirtschaftliche Logik an einen Tisch. Wir prüfen CAPEX, OPEX, Risiken und Lebenszyklus, bevor aus einer Idee eine Investition wird – und bleiben bei der Umsetzung nicht an der PowerPoint stehen.

Wenn Sie vor einer ähnlichen Entscheidung stehen oder ein Projekt ganzheitlich neu denken wollen, lassen Sie uns austauschen. Nicht zuerst über ein Fabrikat, sondern über Zielbild, Wirtschaftlichkeit, Verantwortung und Umsetzung.


Quellen

  1. 1.NFG Zukunftsgipfel 2026 – offizieller Rückblick
  2. 2.NFG Zukunftsgipfel 2026 – offizielles Programm mit der Keynote von Gerd Priebe
  3. 3.Werner Sobek: non nobis – Über das Bauen in der Zukunft

Die im Text genannte Modellannahme von 18 kWh/(m²·a) stammt aus einer separaten internen All-Electric-Studie. Diese Studie ist nicht Bestandteil des Beitrags. Der Text enthält deshalb keine isolierten IRR- oder ROI-Ergebnisse und keine allgemeingültigen Renditeversprechen. Frank Hummel nahm als Beiratsmitglied von Vitramo am NFG Zukunftsgipfel teil; eine Speakerrolle wird nicht behauptet.

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