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REVOLUTION E05. Februar 2026

Infrarotheizung im Gewerbe – Hype oder Hebel?

Infrarotheizung im Gewerbe – Hype oder Hebel?

Infrarotheizung im Gewerbe – Hype oder Hebel?

17 kWh Heizstrom je Quadratmeter und Jahr. Was Vitramo im Mehrparteienhaus zeigt, stellt die Wärmepumpen-Debatte auf den Kopf.

Auf einer Fachmesse stand ich kürzlich am Stand von Vitramo und habe mir die Zahlen erklären lassen. 17 Kilowattstunden Heizstrom pro Quadratmeter und Jahr in einem Mehrparteienhaus in Darmstadt – als Alleinheizung, ohne Wärmepumpe, ohne Gas, ohne Fußbodenheizung. Nur Infrarotpaneele an der Decke und eine PV-Anlage auf dem Dach.

Mein erster Gedanke: Das kann nicht stimmen. Mein zweiter, nach Prüfung der Daten: Das stellt einiges auf den Kopf, was wir über Heizung im Bestand zu wissen glauben.

Was Infrarotheizungen können – und was nicht

Infrarotheizungen sind keine neue Technologie. Aber sie wurden lange als "Zusatzheizung" oder "Badezimmer-Lösung" abgetan. Das ändert sich gerade – und zwar aus wirtschaftlichen, nicht aus ideologischen Gründen.

KriteriumInfrarotheizungWärmepumpeGas-Brennwert
Anschaffung (100 m²)4.000–8.000 €15.000–30.000 €8.000–15.000 €
InstallationEinfach (Strom)Komplex (Außengerät, Hydraulik)Mittel (Gasanschluss)
Wartung/JahrPraktisch null200–400 €150–300 €
Lebensdauer25–30 Jahre15–20 Jahre15–20 Jahre
Betriebskosten/JahrAbhängig von PVNiedrig (COP 3–4)Steigend (CO₂-Preis)
FörderfähigIndirekt (über PV)Ja (bis 70 %)Nein (Neubau)

Die Zahlen zeigen: Bei den Investitionskosten ist Infrarot unschlagbar. Die Anschaffung kostet ein Drittel bis ein Fünftel einer Wärmepumpe. Keine Außengeräte, keine Hydraulik, keine Fußbodenheizung. Steckdose reicht.

Das Vitramo-Projekt K76 in Darmstadt

Das Mehrfamilienhaus K76 in Darmstadt ist das bekannteste Referenzprojekt für Infrarotheizung als Alleinheizung. Zeitgemäße Gebäudehülle nach den damals geltenden EnEV-Anforderungen, Lüftung mit Wärmerückgewinnung, Vitramo-Deckenpaneele und PV-Anlage auf dem Dach. Laut Hersteller wurde auf besondere KfW-Standards verzichtet. Nach fünf Jahren Betrieb zieht der Architekt Bilanz:

Laut Vitramo-Broschüre lag der gemessene Heizstromverbrauch der Infrarotheizung im Jahr 2022 bei 17 kWh je Quadratmeter und Jahr. Das ist ein objektspezifischer Stromverbrauch, kein allgemeiner Heizwärmebedarf und keine Zusage für andere Gebäude. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Bestandsgebäude verbraucht 120 bis 150 kWh. Selbst ein KfW-55-Neubau liegt bei 35 bis 40 kWh. Die Infrarotheizung in Kombination mit guter Gebäudehülle und PV erreicht Werte, die man sonst nur aus Passivhaus-Prospekten kennt.

Die Bewohner berichten von hohem Komfort. Infrarotstrahlung erwärmt nicht die Luft, sondern Oberflächen und Körper direkt – ähnlich wie Sonnenstrahlung. Das Ergebnis: Behaglichkeit bei niedrigerer Raumtemperatur. 20 Grad mit Infrarot fühlen sich an wie 22 Grad mit Konvektion.

Wann Infrarot die bessere Lösung ist

Infrarotheizung ist nicht immer die richtige Antwort. Aber in bestimmten Situationen ist sie der klare Gewinner:

Im Neubau mit guter Gebäudehülle. Wenn der Heizwärmebedarf unter 30 kWh/m² liegt, wird die Wärmepumpe zum Overkill. Die Investition in Außengerät, Pufferspeicher und Fußbodenheizung steht in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Wärmebedarf. Infrarot plus PV ist hier die wirtschaftlichste Lösung.

Im Bestand, wo eine Wärmepumpe nicht passt. Altbauten mit Heizkörpern, ohne Fußbodenheizung, mit begrenztem Platz für Außengeräte. Hier ist der Umbau auf Wärmepumpe teuer und aufwendig. Infrarotpaneele lassen sich raum- und zonenweise installieren – ohne Baustelle.

In Gewerbeimmobilien mit intermittierender Nutzung. Hallen, Werkstätten, Besprechungsräume, die nicht durchgehend beheizt werden müssen. Infrarot reagiert in Sekunden – keine Vorlaufzeit, kein Energieverlust durch Aufheizen träger Systeme.

Der Schlüssel: Kombination mit PV

Die Achillesferse der Infrarotheizung ist der Stromverbrauch. Ohne eigene Stromerzeugung heizen Sie mit Netzstrom – und das ist teuer. Aber in Kombination mit einer PV-Anlage ändert sich die Rechnung fundamental.

Wer im Sommer Strom produziert und im Winter heizt, braucht einen Speicher – oder ein intelligentes Energiemanagement. Die optimale Kombination: PV-Anlage, Batteriespeicher und Infrarotheizung mit smarter Steuerung. Das System heizt bevorzugt dann, wenn die Sonne scheint oder der Speicher voll ist.

Infrarotheizung ist keine Alternative zur Wärmepumpe. Sie ist eine Alternative zum gesamten konventionellen Heizsystem – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Fazit: Kein Hype, aber ein unterschätzter Hebel

Infrarotheizung wird die Wärmepumpe nicht ersetzen. Aber sie wird in bestimmten Segmenten – Neubau mit guter Hülle, Bestand ohne Fußbodenheizung, Gewerbe mit intermittierender Nutzung – zur wirtschaftlich überlegenen Lösung. Wer das ignoriert, verschenkt Geld.

Mein Rat: Lassen Sie sich nicht von der Heizungsdebatte treiben. Schauen Sie auf die Zahlen. Und wenn die Zahlen für Infrarot sprechen, haben Sie den Mut, es auszuprobieren.


Frank Hummel berät mit REVOLUTION E Unternehmen bei der Wahl des optimalen Heizsystems – herstellerneutral und wirtschaftlich orientiert.

Quelle und Einheitenklarstellung (15. Oktober 2026): Die Vitramo-Broschüre nennt 17 kWh/(m²·a) als gemessenen Stromverbrauch der Infrarotheizung im Jahr 2022 im K76. kWh ist Energie, kW ist Leistung. Das Ergebnis hängt von Gebäudehülle, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und Nutzung ab. PV-Jahresertrag bedeutet keine zeitgleiche Deckung des winterlichen Heizstrombedarfs. Herstellerbericht mit Originalbroschüre.

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