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Consulting15. April 2026

Wenn Bosch geht und Hithium kommt: Was Navarra über Entscheidungsgeschwindigkeit lehrt

Wenn Bosch geht und Hithium kommt: Was Navarra über Entscheidungsgeschwindigkeit lehrt

Der ehemalige BSH-Standort in Esquíroz bei Pamplona steht auf der Shortlist eines chinesischen Batterieherstellers. Hithium, weltweit die Nummer zwei im Bereich Energiespeicher, plant eine Investition von 400 Millionen Euro in der Region Navarra – mit bis zu 1.050 Arbeitsplätzen in zwei Phasen.

Die Financial Times widmet dem Thema eine ganze Serie: China Shock 2.0. Prof. Dalia Marin von der TU München warnt im CEPR, dass Deutschlands China-Schock schlimmer wird als der amerikanische der 2000er – weil er nicht Textilien und Möbel trifft, sondern die Kernsektoren Auto und Maschinenbau.

Viele Unternehmer, die ich treffe, lesen diese Schlagzeilen und fragen:

„Herr Hummel, warum soll ich jetzt in Energie investieren? Deutschland wird zur Werkbank. Die Bürokratie frisst uns auf. Die Sozialkosten sind zu hoch. Und die Politik gibt keine klare Richtung vor. Was wollen Sie mit Ihrem QuickCheck bei uns erreichen?"

Diese Frage ist berechtigt. Und sie verdient eine ehrliche Antwort.

Was passiert ist

BSH Hausgeräte – eine Bosch-Siemens-Tochter – hat im Dezember 2024 die Schließung ihres Werks in Esquíroz angekündigt. 660 Arbeitsplätze in der Kühlgeräte- und Geschirrspülerproduktion. Der Grund: Margendruck durch günstigere Fertigung in Asien. Im Juni 2025 wurde das Werk geschlossen.

Keine zwölf Monate später, im März 2026, unterzeichnete die Regionalregierung von Navarra eine Absichtserklärung mit Hithium Energy Storage Technology. Das chinesische Unternehmen – Gründer Jeff Wu, Hauptsitz Xiamen – plant ein Joint Venture mit der öffentlichen Entwicklungsgesellschaft Sodena. Ziel: eine Fabrik für Batterie-Energiespeichersysteme (BESS), die 2027 den Betrieb aufnehmen soll.

In Göttingen hat Gotion – ebenfalls ein chinesischer Hersteller – 2025 die Massenproduktion von 5-MWh-Speichersystemen in einem ehemaligen Bosch-Werk aufgenommen. Das Muster ist eindeutig.

StandortVorherNachherInvestorVolumen
Esquíroz, NavarraBSH Kühlgeräte (660 MA)BESS-Fertigung (1.050 MA)Hithium (CN)400 Mio. €
Göttingen, DEBosch-Werk5-MWh-SpeichersystemeGotion (CN)k.A.

Der Elefant im Raum: Warum überhaupt investieren?

Hier muss ich ehrlich sein. Die Einwände, die ich höre, sind nicht falsch:

„Deutschland wird zur Werkbank." Ja, die Autoexporte nach China sind seit 2022 um 70 % eingebrochen. Deutschland ist seit 2015 Netto-Importeur von Maschinen aus China. Die CEPR-Daten sind eindeutig. Aber: Werkbank wird, wer keine eigene Wertschöpfung mehr hat. Und genau hier liegt der Hebel.

„Die Bürokratie frisst uns auf." Stimmt. Genehmigungsverfahren dauern zu lang, Regulierung ist komplex. Aber: Bürokratie betrifft alle gleich. Sie ist kein Argument gegen Investitionen – sie ist ein Argument für schnellere Entscheidungen, bevor der Wettbewerber handelt.

„Die Sozialkosten sind zu hoch." Richtig, im Vergleich zu Asien. Aber Sozialkosten sind ein fixer Faktor. Sie können ihn nicht ändern. Was Sie ändern können: Ihre Energiekosten. Und die machen im produzierenden Mittelstand oft den zweitgrößten Kostenblock aus – nach Personal.

„Die Politik gibt keine klare Richtung vor." Das ist vielleicht der stärkste Einwand. Aber er führt zur falschen Schlussfolgerung. Wenn die Politik keine Richtung vorgibt, dann müssen Sie die Richtung vorgeben. Für Ihren Standort. Mit Ihren Zahlen.

Was McKinsey dazu sagt

McKinsey hat in der Global Energy Perspective 2025 einen zentralen Befund formuliert: Die Energiewende verläuft ungleichmäßig. Einfache Maßnahmen werden umgesetzt, schwierige stocken. Aber – und das ist entscheidend – die Wirtschaftlichkeit dezentraler Energielösungen verbessert sich schneller als die politischen Rahmenbedingungen.

Das bedeutet: Wer auf politische Klarheit wartet, verpasst den Punkt, an dem die Investition sich rechnet. Und dieser Punkt ist für viele Mittelständler bereits erreicht.

McKinsey identifiziert außerdem 60 % ungenutztes Flexibilitätspotenzial in der deutschen Industrie – Potenzial, das innerhalb von drei Jahren realisierbar ist. Das sind keine theoretischen Modelle. Das sind Kilowattstunden, die Sie heute zu teuer einkaufen.

Die eigentliche Frage

Die Frage ist nicht, ob der Standort Deutschland Probleme hat. Das hat er. Die Frage ist: Was davon können Sie beeinflussen?

  • Geopolitik? Nein.
  • Bürokratie? Begrenzt.
  • Sozialkosten? Nein.
  • Ihre Energiekosten? Ja.
  • Ihre Energieautarkie? Ja.
  • Ihre Entscheidungsgeschwindigkeit? Ja.

Und genau das ist der Punkt. In einer Welt voller Unsicherheit ist die betriebswirtschaftliche Optimierung Ihres eigenen Standorts der einzige Hebel, den Sie vollständig kontrollieren.

Hithium investiert 400 Millionen Euro in Navarra. Nicht weil Spanien keine Bürokratie hat. Nicht weil die Sozialkosten niedrig sind. Sondern weil die Entscheidung schnell fiel und die Zahlen stimmten.

Was der QuickCheck wirklich leistet

Der Energie-QuickCheck ist kein Beratungsprojekt. Er ist eine Entscheidungsgrundlage.

In wenigen Tagen liefert er:

  • Belastbare Zahlen zu Ihrem Einsparpotenzial über alle vier Sektoren (Strom, Wärme, Prozesswärme, Mobilität)
  • Einen konkreten Business Case mit Amortisationsrechnung – keine Beraterfolien
  • Klarheit darüber, ob eine Investition sich lohnt oder nicht

Wenn die Zahlen nicht stimmen, sage ich Ihnen das. Dann investieren Sie nicht. Aber wenn Sie ohne Zahlen entscheiden, entscheiden Sie auf Basis von Schlagzeilen.

Und während Sie die Financial Times lesen, investiert Hithium 400 Millionen in eine ehemalige Bosch-Fabrik.

Die Lektion aus Navarra

Navarra zeigt nicht, dass Europa verliert. Navarra zeigt, dass Geschwindigkeit entscheidet.

BSH hat den Standort aufgegeben. Zwölf Monate später entsteht dort eine Zukunftsindustrie. Nicht weil die Rahmenbedingungen perfekt waren. Sondern weil jemand eine Entscheidung getroffen hat.

Die Transformation passiert nicht irgendwann. Sie passiert jetzt – ob wir entscheiden oder nicht.

Die Frage ist nicht, ob der Standort Deutschland Probleme hat. Die Frage ist: Lösen Sie die Probleme, die Sie lösen können – oder warten Sie darauf, dass jemand anderes es tut?

Quellen:
Financial Times: China Shock 2.0 Serie (April 2026) | CEPR/Dalia Marin: The China Shock hits Germany (August 2025) | McKinsey: Global Energy Perspective 2025 (Oktober 2025) | ESS News: Hithium to invest €400M in Spain (März 2026) | Clean Energy Wire: McKinsey zu Flexibilitätspotenzial (Juni 2025)


Ihr nächster Schritt

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